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Ich saß grübelnd über einem weißen Blatt Papier, um einen humorvollen Beitrag zur Silberhochzeit von Anne und Torsten zu leisten. Aber so richtig wollte mir nichts einfallen, womit ich nicht auch all die Gäste langweilen würde. Zum Glück gibt es ja das Internet! Bei meinen Recherchen stieß ich auf einer Homepage eines witzigen Zeitgenossen, der sich sein Leben verschrieben hat, Partygesellschaften in Stimmung zu bringen, auf folgendes Zitat: Zit.: „Eine Feier zur Silberhochzeit ist eine Verpflichtung für die Gäste, besonders für gute Freunde, ein paar Scherze, Gedichte und auch Lieder zur Unterhaltung bereit zu haben.“
Durch diesen wertvollen Hinweis stand mein Entschluss schnell fest, auch diese Feier mit einem lustigen Spiel voll in Schwung zu bringen. Und nach weiterem Stöbern im Netz fand ich auch eines, das mich auf Anhieb begeisterte. „So, liebe Gäste, ich bitte deshalb jetzt einmal zwei Freiwillige vorzutreten, die mich unterstützen und sich nicht schämen, wenn es gleich ein wenig anzüglich wird.“
Na, wenn ich hier so in die Runde schaue, wie alle verschämt nach unten blicken, merke ich, dass es genau so kommt, wie ich vermutet habe. Keine Angst, ich wollte euch nur ein wenig schocken und meine Theorie beweisen, dass ich nicht der Einzige bin, der während solcher Partybelustigen am liebsten seine Zeit auf dem Klo verbringt: Findet ihr nicht auch, liebe Anwesende, dass es nichts ätzenderes gibt, als die ”lustigen Spielchen“ auf Hochzeitsfeiern? Ob grüne, silberne oder goldene Hochzeit, ich glaube, diese Art der Unterhaltung schafft es immer wieder, gerade aufkommende Stimmung im Keime zu ersticken. Genauso wie ein in Reimen von einem guten Freund oder Verwandten in irgendwelchen lächerlichen Verkleidungen vorgetragenes Werk, sei es bei der Geschenkeübergabe oder der Inhalt der Hochzeitszeitung. Und wer wie ich mehrmals einer solchen Feier beiwohnte, kennt spätestens bei der dritten alle Spiele und Gedichte, denn dank Internet werden diese ja rasend schnell landauf, landab verbreitet. Oder was manchmal noch schlimmer ist, wenn die guten Freunde sich in nächtelanger Arbeit selbst als Poeten versucht haben und das Ergebnis anschließend für andere Witzbolde auf Ihrer Homepage zur Verfügung stellen.
Eine Kostprobe vielleicht? Fangen wir an mit der Festordnung:
1) Das Fest beginnt mit dem Anfang. Zuwiderhandlungen werden bestraft. …. Ha, ha, ich lache mich tot. 2) Die Teilnehmer haben persönlich zu erscheinen. Es geht nicht an, dass einer sein Bier per Post verlangt. 3) Das Fest endet, wenn keiner mehr da ist…
- Habe ich da ein „Aufhören, aufhören“ vernommen? Anhand der alten Schreibweise von „dass“ und „muss“ mit ß habe ich festgestellt, dass ich die Festordnung schon mindestens 35 Jahre kenne. Aber das war erst der Anfang, noch sind wir ja nicht bei den Reimen angelangt. Immer wieder zum Würgen auch „Die Zehn Gebote der Ehe“:
1) Chef in der Ehe ist nicht, wer eine Hose trägt, und schon gar nicht, wessen Herz darin schlägt. 2) Musst Du schon fremdgehen, mache es mit jemand Fremden. Denn nimmst Du Bekannte, dann ist es bald bekannt.
Auch hier breche ich lieber ab, bevor sich die Partygesellschaft auflöst. Sollte aber hier ein anonymer Fan solcher geistigen Ergüsse anwesend sein, der braucht nur unter Google nach ”Silberhochzeit“ zu suchen, und dann heimlich die weiteren Punkte zu Ende zu lesen. Alle anderen frage ich an dieser Stelle: Was ist lustig daran, wenn ich auf einer Silberhochzeit Vorschläge zum Fremdgehen mache? Ich weiß es nicht!
Ich habe aber noch ein paar Beispiele, und diesmal steigern wir uns in die schon angedeutete Gedichtform. Stellt euch vor, eine Freundin betritt jetzt den Festsaal, verkleidet als alte Schabracke und fängt an, vorzutragen:
Bitt' um Verzeihung, wenn ich störe, find ich vielleicht den Bräutigam am Tisch?
Ach ich seh, ich habe die Ehre, doch es scheint, er kennt mich nicht
Torsten, kennst Du Deine Lotte, deine alte Flamme nicht? Glück wollt ich Dir heute wünschen, vielgeliebter Bösewicht.
Was hat sich der Autor / die Autorin nur dabei gedacht, auf so einer Feier alte Bettgeschichten rauszukramen. Und dann noch gereimt! Spätestens nach so einem Vortrag ist auch die hartgesottenste Partygesellschaft auf einem Stimmungstief. Aber, ihr werdet es kaum glauben, ich leg noch einen drauf: Portionierte Geschenkübergabe, selbstverständlich gereimt und mindestens eine Stunde dauernd. Sollten das auch nur 10 % der Gäste in Erwägung ziehen, dann ist jede Party hin. Doch hört selbst:
Wie wir soeben haben vernommen, ist für Torsten ein Päckchen gekommen.
Wo kommt es wohl her? Was ist wohl drin? Wir geben es zunächst meiner Nachbarin.
Sie nimmt es entgegen und hält es in Händen, darf´s anschau`n, betrachten, hin und her wenden.
Doch behalten darf sie es nicht, und deshalb sie flitzt, zu dem Herrn, der ganz hinten am Tische sitzt.
So, jetzt wird selbst mir schlecht, und ich kann vor lauter Würgen gar nicht weiter lesen. Und deshalb komme ich nun zur Krönung des schlechten Geschmackes. Dagegen sind die bisherigen Beispiele echter Kinderkram: Das Festgedicht vorgetragen in Gesangsform. Wenn man Glück hat, dann singt die ganze Hochzeitsgesellschaft mit, und wenn alle betrunken sind, dann kommt auch manchmal so etwas wie Stimmung auf, denn ab `nem gewissen Pegel findet man ja alles lustig. Oft versucht sich jedoch ein Hobbychor mit seinen Gesangeskünsten, bestehend aus den unmusikalischsten Verwandten, die unter den Gästen weilen und da kommt zum schlechten Text auch noch ein so falscher Gesang, dass sich einem die Ohrhaare kräuseln. Auch hier eine Kostprobe? Na, dann mal los: Das gute Lied heißt “Silberhochzeit, die ist lustig“ nach der Melodie: “Eine Seefahrt die ist lustig ...”
Silberhochzeit, die ist lustig, Silberhochzeit, die ist fein, ja da kann man die Verwandtschaft wieder mal zusammen sehen. hollahi, hollaho, hollahiahiahia hollaho.
Oder: “Silberhochzeitslied” nach der Melodie: “Wo die Nordseewellen ...”
Fünfundzwanzig Jahre gingen in das Land, seit sich unser Silberpaar zusammenfand. Und es war ein Wandern - voll von frohem Mut. Einer Glück des andern, - und sein höchstes Gut.
Mir fehlen die Worte und ein Thema. Mal ganz ehrlich, über so einen Schwachsinn kann ich doch hier nicht auch noch einen Vortrag halten!
Nach so vielem Netzmüll saß ich immer noch vor meinem leeren Zettel, die Tage gingen dahin und ich hatte für meine Geschichte nicht die geringste Idee. In solchen Fällen haben mir immer ein paar schlaue Sprüche aus der Bedrullie geholfen, und ich forschte wieder weiter unter einer mir bekannten Internetseite, auf der fast alle bekannte Aphorismen nach Themen sortiert gesammelt sind. Also, Internet an, Seite geöffnet, und Themen eingegeben: Ehe, Hochzeit, Silberhochzeit…. Aber wo ich auch nachsah, von den 3500 gelesenen Zitaten aus aller Welt fand ich nur ein einziges, das positiv über die Ehe berichtete. Ich habe euch mal aus aller Welt ein paar der gefundenen Weisheiten zusammengetragen:
„Hochzeiten entstehen im Himmel, Blitz und Donner kommen aber auch von dort!” von einem deutsch- kanadischen Lyriker.
Ein altes Deutsches Sprichwort sagt: „Nach der Hochzeit erkennt man des Weibes Bosheit“
Aus Polen kommt: „Die Frau weint vor der Hochzeit, der Mann danach.“
Aus Venedig: „Wenn Gott einen Mann bestrafen will, setzt er ihm in den Kopf sich zu vermählen.“
Und aus Jamaika: „Wenn junge Mädchen wüssten, was ältere verheiratete Frauen wissen, würden sie nie heiraten.“
Aus Kanada: „Wer jung heiratet, hat länger Zeit, sich über seinen Entschluss zu wundern!“
Aus Israel: „Stärker als der Wunsch des Mannes, zu heiraten, ist der Wunsch der Frau, geheiratet zu werden.“
Aus Spanien: „Junggeselle ein Pfau, verlobt ein Löwe, verheiratet ein Esel.“
Aus Griechenland: „Es ist gleichgültig, ob ein Mann heiratet oder nicht, in beiden Fällen wird er es bereuen.“
Aus den USA: „Halte deine Augen weit geöffnet, ehe du heiratest, und halb geschlossen danach.“
Aus England: „Heirat halbiert unsere Leiden, verdoppelt unsere Freuden und vervierfacht unsere Ausgaben.“
Heiraten ist, als stecke man sich eine Schlange in die Tasche.“ Selbst in Bantu hat man mit der Ehe schlechte Erfahrungen.
Ich belasse es lieber jetzt dabei, denn ich sehe in den Augen einiger Männer Tränen und das zustimmende Nicken macht mich ganz nervös. Ach doch, einen muss ich noch zum Besten geben und ihr dürft raten, aus welcher Quelle dieser stammt: „Also, wer seine Jungfrau heiratet, der handelt gut; wer sie aber nicht heiratet, der handelt besser.“ Ich wollte es selbst kaum glauben, als ich es las. Diese Worte stammen aus der Bibel, genau aus dem Brief der Korinther 7.38.
Schon wieder nichts Lustiges, was ich zur Feier beitragen kann, und nur noch wenige Tage bis zur Silberhochzeit. Ach, hätte ich doch nicht versprochen, eine Geschichte vorzutragen, sondern mich für ein flottes Stück auf dem Saxophon entschieden. Wenn es so viele negative Erfahrungen mit der Ehe gibt, woran liegt es aber, dass immer wieder Paare diesen Weg gehen. Und dann auch noch schaffen, 25 oder auch 50 und mehr Jahre zusammenbleiben? Ich glaube, ich lasse das Internet beiseite und werde mir zu dem Thema Silberhochzeit selbst ein paar Gedanken machen müssen:
Einstein hat einmal gesagt: „Alles ist relativ“, also auch die Zeit. Wenn jemand 25 Jahre in den Knast muss, dann kommt es ihm vor wie eine Ewigkeit, weil da alles so grausam ist. Daraus schließen wir, dass, wenn Paare 25 zusammen aushalten und dieses Jubiläum auch noch gemeinsam feiern, dann muss die Zeit gerast sein wie im Fluge, weil die Ehe für beide so angenehm war. Kein Wunder, dass sie dann auch die 50 und mehr schaffen.
Aber die geraste Zeit empfinden oft Männer und Frauen recht unterschiedlich. Dieses Phänomen zeigt sich in Form des Alters zum Zeitpunkt der Silberhochzeit, bei dem Frauen nämlich höchstens 29 Jahre alt sind, was viele jedenfalls behaupten. Wenn das stimmt, dann musst du jetzt aufpassen Torsten, dass dich nicht ein hier eventuell anwesender Polizist wegen Pädophilie verhaften wird, weil Anne nach dieser Rechnung erst 4 Jahre alt war, als du sie geheiratet hast. Aber keine Angst, Torsten, ich habe bisher keinen Polizisten auf dieser Feier gesehen, und außerdem haben wir ja gerade gelernt, dass Zeit nur relativ ist. Ich habe das Geheimnis gelüftet, warum Frauen relativ zu Männern nicht so schnell altern. Kennt ihr auch die Situation, liebe anwesenden Männer, ihr und eure Frau seid zusammen zu Freunden eingeladen, und ihr seid natürlich schon pünktlich vor der geplanten Abfahrt aufbruchfertig. Ihr ruft mit dem Blick auf die Armbanduhr ins Bad: „Bist du soweit Liebling?“ Und es schallt zurück: „Ja, noch 5 Minuten!“
Nach nur einer halben Stunde (wenn ihr Glück habt) kommt endlich eure Frau fertig gestylt aus dem Bad, der Anblick jedoch lässt euch die gesamte aufgestaute Wut im Handumdrehen vergessen und tröstet euch über das Warten hinweg. Ja, und da haben wir auch schon die Antwort auf unsere Frage des unterschiedlichen Alterns. Für eine Frau stellt eine halbe Stunde nur 5 Minuten dar. Ergo altert ein Mann viel schneller. Und das ist auch gut so, denn auch bei uns Männern kann Einsteins Relativitätstheorie angewandt werden. Nicht jedoch bei der Zeit sondern bei Entfernungen. Für viele Männer sind das (mit Daumen und Zeigefinger einen Abstand von wenigen Zentimetern anzeigen) nämlich 25 cm, was wiederum für Frauen relativ klein ist. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
So, jetzt habe ich wenigstens ein klitzekleines Thema – ich meine damit die Länge des Vortrages – zur Party beitragen können, und ich möchte jetzt nur noch dem Jubelpaar meine besten Glückwünsche mit auf den Weg geben und bitte nun alle Verwandten oder Freunde nach vorn zu kommen, die vorhatten, Anne und Torsten mit einem kleinen Spiel oder Gedicht zu erfreuen.
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